Der von Ihnen verwendete Browser wird nicht unterstützt.

Bitte aktivieren Sie JavaScript, um diese Seite im vollen Umfang zu nutzen.

Grußwort Prof. Dr. Martin Welte

Prof. Dr. Martin WelteLiebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine besondere Ehre und Freude Sie im Namen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) zum 65. Deutschen Anästhesiecongress (DAC) 2018 nach Nürnberg einzuladen.

In der Medizin und so auch in unserem breiten Fachgebiet erleben wir einen immer rasanteren Zuwachs an Daten und Informationen. Für den Einzelnen ist es schwierig geworden, wichtige Inhalte von bloßen „postfaktischen“ Meinungen zu unterscheiden. Es ist daher eine der großen Herausforderungen, die enorme Informationsmenge zu kanalisieren, wissenschaftlich zu bewerten und schließlich in anwendbares, unseren Patienten nutzbringendes Wissen zu überführen – kurz Wissen mit Leben zu erfüllen. Deshalb haben wir den DAC 2018 unter das Motto „Wissen leben“ gestellt.

Dem Kongressmotto entsprechend sollen Möglichkeiten vorgestellt und diskutiert werden, wie der Wissenstransfer in allen Teilbereichen unseres Fachs – der Anästhesie, der Intensiv- und Notfallmedizin sowie der Schmerztherapie und auf den verschiedenen Ebenen unserer Tätigkeit – von der Universitätsklinik bis in die Praxis – gelingen kann.

Die Verfügbarkeit riesiger Datenmengen individueller Patienten – Big Data – bietet Chancen für Diagnostik und Therapie. Wie wird Big Data unser tägliches Arbeiten beeinflussen? Wissen leben könnte dann heißen, dass wir unseren Patienten zukünftig eine intelligente, maßgeschneiderte und personalisierte Medizin anbieten können. Es kommen aber auch Befürchtungen auf, dass auf Datenbanken beruhende Expertensysteme am Ende „schlauer“ als der Arzt am Krankenbett sein werden und den voll ausgebildeten Arzt nicht nur unterstützen, sondern in naher Zukunft möglicherweise schon ersetzen könnten. Sitzungen zu Kontroversen um die Nutzung von Big Data sollen auf diesem DAC einen spannenden Ausblick auf zukünftige Möglichkeiten eröffnen.

Eine weitere Möglichkeit Wissen zu leben bietet die Telemedizin indem sie Expertenwissen in der Breite verfügbar macht und so unseren Anspruch unterstützt, allen Patienten eine optimale Behandlung zukommen zu lassen. Vorreiter dieser neuen Option Wissen anzuwenden sind in unserem Fachgebiet die Intensiv- und Notfallmedizin. Die Chancen der Telemedizin und offene Fragen, wie und ob die Telemedizin den spezialisierten Arzt in kleineren Krankenhäusern oder gar Fachgebieten überflüssig machen wird, sollen diskutiert werden.

Wissen leben heißt auch, aus Erkenntnissen der Grundlagenforschung therapeutische Konzepte zu entwickeln, diese in klinischen Studien auf ihre Validität und Anwendbarkeit hin zu überprüfen, um sie schließlich als Behandlungskonzepte zu implementieren. Die DGAI ist federführend an der Entwicklung von 29 Leitlinien beteiligt. Trotz der allgemeinen Verfügbarkeit und des erwiesenen Nutzens von Leitlinien dauert es Jahre, bis gesichertes Wissen in der Breite auch angewandt wird. Ein wichtiges Thema des DAC 2018 werden daher die Entwicklung, Bewertung und individuelle Anwendung von Leitlinien sein.

Das Bewusstsein für die Notwendigkeit stetigen Lernens ist eine Voraussetzung, um neues Wissen leben zu können. Unter diesem Aspekt sollen Themen wie die neue Musterweiterbildungsordnung, das simulationsbasierte Lernen, aber auch der Stellenwert von Smartphone-Apps und anderen neuen Medien im OP, im Notarztwagen und auf der Intensivstation zur Diskussion gestellt werden. Nicht zuletzt werden wieder zahlreiche praktische Workshops zur aktiven Wissensvermittlung und -vertiefung beitragen.

Viele, gerade jüngere Kolleginnen und Kollegen, besuchen den DAC vor allem, um sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren, die unmittelbar der Patientenbehandlung dienen – schließlich haben die meisten aus diesem Interesse heraus den Beruf Anästhesist gewählt. Wissen leben heißt aber auch, sich Gedanken darüber zu machen, wie unser Arbeitsumfeld sich in Zukunft darstellen wird. Trotz ökonomischer Zwänge und zunehmenden Zeitdrucks brauchen wir Bedingungen, unter denen Wissen in der dafür erforderlichen Zeit und Umgebung erlernt, vertieft und angewandt werden kann. Diese Fragen, die nicht nur uns Anästhesisten betreffen, wollen wir auf dem DAC 2018 mit den Partnern anderer Fachgebiete und Vertretern aus anderen Bereichen des Gesundheitssystems besprechen.

Große Kongresse wie der DAC 2018 verwirren oft durch die Fülle paralleler Veranstaltungen. Nutzen Sie daher das DAC-Online-Angebot, um Ihren Kongressbesuch vorab nach Ihren Interessen zu planen und so einen optimalen Wissensgewinn mitzunehmen.

Ich lade Sie, auch im Namen des wissenschaftlichen und organisatorischen Komitees, schon jetzt herzlich ein, sich aktiv am DAC 2018 zu beteiligen. Nur ein großer wissenschaftlicher Kongress wie der DAC 2018 bietet Ihnen sowohl die Möglichkeit, Ihr eigenes Wissen zu überprüfen und zu vertiefen, als auch die Chance auf fachlichen und nicht zuletzt persönlichen Gedankenaustausch mit Kolleginnen und Kollegen, Pflegekräften und den Vertretern der Industrie.

Ich freue mich darauf, Sie zum DAC 2018 in Nürnberg willkommen zu heißen!

Prof. Dr. Martin Welte, Kongress-Präsident 2018